Was bedeutet 3PL-Fulfillment im E-Commerce?

von Carolina Engl – 4 Min Lesedauer
zuletzt aktualisiert 17.3.2021 

Der wohl größte Vorteil des Onlinehandels besteht darin, dass wir großartige Geschäftsideen auch auf kleinem Raum und mit minimalem Startkapital umsetzen können – solange nur die Abläufe im Unternehmensalltag richtig organisiert sind. Wie das in der Praxis aussieht, ist zwar von Unternehmen zu Unternehmen sehr verschieden, früher oder später stehen aber alle Onlinehändler*innen vor einer wichtigen Entscheidung: Soll die Logistik inhouse bleiben oder doch lieber ausgelagert werden?

Während die einen wortwörtlich Raum für neue Ideen brauchen und daher endlich das Lager aus dem Büro verbannen wollen, sehen andere die externe Logistik vor allem als Chance, die Servicequalität zu verbessern – um Expressversand und liebevolle Verpackungslösungen anbieten zu können, ohne dafür ein eigenes Serviceteam aufzubauen. Um diesen variierenden Ansprüchen an die Leistungen rund um die Logistik gerecht zu werden, gibt es von 1PL bis 4PL unterschiedliche Möglichkeiten, die Auftragsabwicklung schrittweise auszulagern.

Im E-Commerce ist dabei seit jeher 3PL-Fulfillment das meistgenutzte System – und das aus gutem Grund: Es entlastet die Händler*innen nicht nur, sondern bietet ihnen auch genau die Infrastruktur, die sie brauchen, um die Flexibilität des Onlinehandels für sich zu nutzen.

In diesem Artikel zeigen wir dir, was die Logistik-Modelle von 1PL bis 4PL voneinander unterscheidet und wie 3PL im E-Commerce die Servicequalität steigert, ohne dich dabei in deiner Gestaltungsfreiheit einzuschränken.

Von 1PL bis 4PL – Logistik-Modelle im Überblick

Wer sich mit dem Thema Fulfillment im E-Commerce beschäftigt, stolpert früher oder später über Abkürzungen wie 3PL oder 4PL. Eine schnelle Internetrecherche klärt, dass Fulfillment 3PL ist. Aber was heißt das ganz konkret? Was ist der Unterschied zwischen 1PL und 2PL? Und was macht ausgerechnet 3PL zum Lieblingssystem des E-Commerce – und nicht 4PL?

Wenn wir es ein wenig genauer unter die Lupe nehmen, ist das PL-System zur Beschreibung von Logistik-Modellen eigentlich recht intuitiv: L steht für „Logistik“ und P für „Partei“ – nur eben nicht im politischen Sinn, sondern im Sinne von „beteiligte Gruppen.“ Liest du das zusammen mit der jeweiligen Zahl, zeigt dir dieses Abkürzungssystem auf einen Blick, wie viele Unternehmen daran beteiligt sind, deine Produkte zu deinen Kund*innen zu bringen.

Von 1PL bis 4PL – die richtige Lösung für dein Unternehmen finden.

1PL – First Party Logistics: alles in einer Hand

Ein Unternehmen, das eine 1PL-Lösung nutzt, gibt seine Produkte zu keinem Zeitpunkt aus der Hand: Es beliefert seine Kund*innen selbst. Da das nicht nur ein Lager, sondern auch einen eigenen Fuhrpark und Lieferpersonal voraussetzt, kommt 1PL heutzutage vor allem für große Konzerne infrage – und für kleinere Unternehmen mit übersichtlichem Lieferradius. Wenn du etwa an die Gemüsekiste vom Biobauernhof oder an ein Restaurant in deiner Stadt denkst, das während der Corona-Pandemie im eigenen Sprinter bis an deine Haustür liefert: Das ist 1PL

2PL – Second Party Logistics: Transport durch einen Dienstleister

Was nahezu jede*r Onlinehändler*in zumindest aus der Gründungsphase kennt, ist die Arbeit mit 2PL-Anbietern. Dabei werden die Produkte zwar weiterhin inhouse kommissioniert und verpackt, aber danach gibt das Unternehmen Transport und Lieferung an einen darauf spezialisierten Dienstleister ab. Typische 2PL-Anbieter wären also der Paketdienst deines Vertrauens sowie die Speditionen und Reedereien, die größere

3PL – Third Party Logistics: Hände frei dank Fulfillment

Mit 3PL kommen die Fulfillment-Dienstleistungen ins Spiel: Zusätzlich zum Versanddienstleister integrierst du dafür noch ein drittes Unternehmen in deine Lieferkette – einen Dienstleister, der deine Ware lagert, versandbereit macht und an den 2PL-Anbieter übergibt. Das bedeutet, dass du mit 3PL den Versand und darüber hinaus auch Lagerwirtschaft, Kommissionieren und Verpackung auslagerst. Je nach Fulfillment-Anbieter und Kund*innenwunsch können außerdem weitere Dienstleistungen rund um die Auftragsabwicklung hinzukommen, etwa das Versenden von Trackingnummern oder das Retourenmanagement.

4PL – Fourth Party Logistics: Die Supply-Chain optimieren lassen

Wer die Lieferkette nicht nur auslagern, sondern anschließend weiter optimieren will, kann mit 4PL Expert*innen für Supply-Chain-Management an Bord holen. Der Unterschied zwischen 3PL und 4PL besteht dabei in der Infrastruktur: 3PL bedeutet, dass dein Fulfillment-Anbieter eigene Lagerhäuser und Angestellte hat, die deine Produkte verpacken und Mails an deine Kund*innen verschicken. Ein 4PL-Dienstleister hat all das nicht selbst: Er koordiniert die Arbeitsschritte, führt aber keinen davon selbst aus. Das übergibt er an 3PL- und 2PL-Anbieter, aus deren Angeboten er für dich Leistungspakete zusammenstellt, die deine Logistik effizienter gestalten.

Was 3PL-Fulfillment im E-Commerce zur beliebtesten Logistiklösung macht

Frischer Content, wechselnde Trends, spontane Aktionen: Der besondere Reiz des Onlineshoppings besteht darin, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Um inmitten dieses Wirbelwinds aus Angeboten die Aufmerksamkeit potenzieller Kund*innen auf sich zu ziehen und zu halten, müssen Onlinehändler*innen sich allerdings auf Dauer die kreativen Freiräume zurückerobern, die gerade in der Gründungsphase vieler Unternehmen durch reine Inhouse-Logistik blockiert werden.

Entlastung für ein Team , das eigentlich ganz andere Aufgaben zu bewältigen hat, ist daher einer der Hauptgründe dafür, dass 3PL-Fulfillment im E-Commerce schon seit vielen Jahren zu den großen Katalysatoren für nachhaltiges Unternehmenswachstum zählt.

Gleichzeitig gibt es aber auch einen guten Grund dafür, dass so viele Onlinehändler*innen auf 3PL schwören und nur wenige (zumeist große) Onlineshops mit einem 4PL-Dienstleister noch einen Schritt weiter gehen und auch die Koordination des Fulfillments auslagern: Im 3PL-Fulfillment laufen alle Fäden an einer Stelle zusammen. Das verschafft dir den besten Überblick über das, was mit deinen Produkten passiert – und es hält die Wege so kurz, dass du bei Bedarf schnell und flexibel in deine Lieferkette eingreifen kannst.

Weniger Stress, mehr Flexibilität: 4PL-Service im 3PL-Fulfillment

Ein 4PL-Dienstleister sucht zwar den besten Deal für jede Dienstleistung, fächert damit aber auch die Lieferkette immer weiter auf. Weil verschiedene Dienstleister in bestimmten Bereichen günstiger sind als andere, wird Luftfracht hier und Seefracht dort abgewickelt, die Versandetiketten kommen aus dem Süden und die Flyer aus dem Norden – und Fragen zur Retourenabwicklung beantwortet ein Callcenter, das über eine digitale Schnittstelle auf die Daten beider Lagerhäuser zugreifen muss, um den Durchblick zu behalten.

Eine Kombination aus 3PL und 4PL kann vorteilhaft sein.

Stell dir beispielsweise vor, die neue Ware wurde versehentlich an das Lagerhaus geliefert, das ausschließlich den Versand ins Ausland übernimmt. Oder denke an eine Rücksendung, die an der falschen Stelle landet und erst weitergeschickt werden muss, bevor dein*e Kund*in das Geld für ein kaputtes Produkt zurückbekommen kann. So entstehen aus logistischen Gründen, an denen du auf die Schnelle nichts ändern kannst, Verzögerungen, die sich auf die Servicequalität auswirken.

Damit so etwas nicht passiert, übernehmen immer mehr 3PL-Anbieter als sogenannte „Lead Logistics Provider“ (LLP) auch 4PL-Dienstleistungen, um deine Lieferkette zu optimieren. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass dein Fulfillment-Anbieter verschiedene Versanddienstleister vergleicht und dir dann einen Vorschlag macht, welchem Anbieter er welche Sendungen übergeben könnte, um Kosten und Lieferzeiten zu reduzieren.

So entlastet modernes 3PL-Fulfillment nicht nur dich und dein Team, sondern hilft euch auch dabei, die Prozesse in eurem Unternehmen effizienter zu gestalten – mit viel Erfahrung und einem starken Netzwerk, von dem E-Commerce-Neulinge ebenso profitieren wie gestandene Onlinehändler*innen.

 

Titelbild von Headway. Weitere Bilder von Icons8 Team und krakenimages.

Carolina Engl
Content Marketing Manager

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